Job Disruption · Kapitel 3.9
Techniker, Mechatroniker und Mechaniker
Die größte Bedrohung für diese Gruppe stellen smarte Maschinen dar. Wenn heute innerhalb einer Fabrik eine Maschine ausfällt, muss der Techniker innerhalb kürzester Zeit vor Ort sein und sie reparieren, denn jede Minute, in der nichts produziert wird, ist mit hohen Kosten verbunden. Was liegt also näher, als herauszufinden, wann eine Maschine ausfallen wird? Diese Vorgehensweise heißt Predictive Maintenance und beschreibt, wie Maschinen sich selbst überwachen und Alarm schlagen, noch bevor es zu einem Ausfall kommt. Dies geschieht durch das Sammeln und Analysieren von einer Vielzahl unterschiedlicher Daten. Innerhalb der großen Datensätze wird versucht, diejenigen Muster zu identifizieren, die darauf hindeuten, dass die Maschine in der nächsten Zeit eine Fehlfunktion erleiden wird.
Gerade teure Maschinen, die rund um die Uhr arbeiten, eignen sich besonders gut für Predictive Maintenance. Früher wurden z. B. Gasturbinen von Siemens nach einer festgelegten Stundenzahl ausgetauscht. Heute analysieren 1500 Sensoren die Turbinen und können so jederzeit Informationen über den aktuellen und zukünftigen Zustand geben. Durch die gesammelten Daten lässt sich mithilfe künstlicher Intelligenz eine Turbinensteuerung realisieren, die in einigen Bereichen die Ergebnisse der Siemens-Ingenieure noch übertrifft. Siemens setzt Predictive Maintenance aber nicht nur in Turbinen, sondern auch in Zügen ein. Dort wird ein besonderer Fokus auf die Zuverlässigkeit der Türen gelegt. Heute gelingt es vorherzusagen, welche Türen in einem Zeitraum von zehn Tagen ausfallen werden.
Vorausschauende Wartung lässt sich nicht nur in komplexen Industrieanlagen einsetzen, sondern nahezu überall. Zolitron, ein Start-up aus Bochum, entwickelt z. B. intelligente Sensoren für Müllcontainer. Diese Sensoren ermitteln den Füllstand jedes einzelnen Containers, wodurch sich die effektivste Route für die Müllabfuhr planen lässt. Die Batterie muss nie ausgetauscht werden, weil eine Technologie namens „MicroEnergyHarvesting“ verwendet wird. Dabei generiert der Sensor aus seiner Umwelt Energie im Mikrowatt-Bereich welche gespeichert wird.
Mit dem zunehmenden Einsatz von Sensoren ändert sich gleichzeitig das Berufsbild des Technikers. Ging man früher nach Checkliste vor, um zu entscheiden, wann welches Teil auszutauschen ist, wissen smarte Geräte heute selbst, wann die richtige Zeit dafür gekommen ist. Leuchtet im Auto die Service-Warnlampe auf, wird in der Werkstatt zuerst ein Diagnosegerät angeschlossen. Das teilt dem KFZ-Mechaniker mit, wo genau sich das Problem befindet. Für diese Diagnosegeräte gibt es eine Reihe unterschiedlicher Anbieter, weil die Hersteller durch EU-Regulierungen gezwungen sind, die Schnittstellen zu öffnen. Würde es solche Regulierungen nicht geben, könnten nur von den Autoherstellern autorisierte Werkstätten Reparaturen durchführen. Wie so etwas in der Praxis aussehen würde, konnte bei Apple beobachtet werden.
Viele Kunden erhielten nach dem Update auf iOS 9 einen Fehler mit der Kennung „Fehler 53“. Die betroffenen Kunden hatten vorher ihr defektes iPhone zu einem von Apple nicht zertifizierten Reparaturhändler gebracht, um es dort instand setzen zu lassen. Dort ist die Reparatur oft deutlich günstiger als in den zertifizierten AppleServiceshops. Apple gab zwar in einer Stellungnahme an, dass es sich bei dem Update um ein Versehen handelt, doch dieses Beispiel zeigt klar, welche Macht Hersteller über den Serviceprozess haben.
Aktuell gibt es in vielen Betrieben noch den Abteilungsleiter, der vorgibt, wann und wie die Reparaturen von den Technikern durchzuführen sind. Dies wird sich jedoch in den kommenden Jahren ändern. In einigen Unternehmen erhalten Techniker schon heute ihre Aufträge über das Smartphone. Dadurch wird der Techniker gläsern, denn die Software, die die Termine im Hintergrund koordiniert, hat die Informationshoheit. Das spart Ressourcen und macht die Unternehmensabläufe effizienter. Gleichzeitig lassen sich hieraus aber auch Plattform-Geschäftsmodelle entwickeln: Bei Uber entscheiden selbstständige Taxifahrer, ob sie Aufträge annehmen oder ablehnen. Dies ließe sich natürlich auch mit einem Pool aus selbstständigen Technikern realisieren. Die Techniker hinterlegen ein Kompetenzprofil und bekommen Jobs angeboten, die kurzfristig zu erledigen sind. Dass der Job des Technikers auch in der Zukunft gebraucht wird, steht außer Frage. Wie hoch die Anzahl sein wird und welche Fähigkeiten benötigt werden, ist aber offen.