Job Disruption · Kapitel 5.2
Lebenslanges Lernen
Überall liest man von der langweiligen Plattitüde des lebenslangen Lernens, doch die vermeintliche Plattitüde entpuppt sich als Weisheit der Stunde. Denn die Welt war noch nie so schnelllebig wie heute und wird vermutlich nie wieder so langsam sein. Allein in den letzten zehn Jahren haben sich Branchen von Grund auf verändert. Heute erreichen die einflussreichsten Influencer über die sozialen Netzwerke weit mehr Menschen als die traditionellen Medien wie TV und Zeitung. Dabei wurde YouTube erst 2006 und Instagram sogar erst 2010 gegründet. Diese Influencer haben sich ihren Erfolg selbst aufgebaut. Während zu Beginn ihrer Tätigkeit Websites, Videos und Fotos noch amateurhaft aussahen, wurden sie im Laufe der Zeit immer professioneller. Die Fähigkeiten, die benötigt werden, professionelle Inhalte zu produzieren, brachten sich die Influencer zumeist selbst über Tutorials und Anleitungen aus dem Internet bei. Natürlich nicht alle auf einmal, sondern Schritt für Schritt. Der Wille, neue Dinge auszuprobieren und sich Kenntnisse anzueignen, die dafür benötigt werden, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten für die Zukunft. Mit lebenslangem Lernen ist also nicht gemeint, in seiner Freizeit zu stricken, zu nähen oder Altgriechisch zu lernen, sondern zu verfolgen, welche aktuellen Trends es gibt und wie sich dadurch die Welt verändert. Sollten jedoch Stricken, Nähen oder Altgriechisch die Dinge sein, die einem besonders viel Spaß machen, lassen sich auch auf diesen Gebieten Möglichkeiten finden, die Hobbys mit neuesten Technologien oder Trends zu verknüpfen. Auf YouTube findet man deshalb viele Kanäle, die Videos über genau solche Themen bieten.
Die Innovationsgeschwindigkeit ist mittlerweile so hoch, dass es heute unmöglich ist, sich mit allen Neuerungen zu beschäftigen. Dies ist aber auch nicht nötig. Meistens hilft es aufgeschlossen und neugierig zu sein, was Kollegen, Freunde und Bekannte Neuartiges nutzen. Für viele Menschen ist dies einfacher gesagt als getan, denn wir sind Gewohnheitstiere. Wir mögen Routinen, mit denen wir vertraut sind. Sich auf ein neues System einzulassen erzeugt deshalb erst einmal Ablehnung. Dies führt oft dazu, dass Innovationen anfangs mit dem Satz: „Das brauche ich nicht“ beiseitegelegt werden. Dadurch verschlechtert sich für gewöhnlich die Aussicht mithalten zu können, denn am Anfang sind Innovationen meist weniger komplex und einfacher zu verstehen. Mit der Zeit kommen immer weitere Funktionen und Features hinzu, was den Einstieg erschwert. Mit den ersten iPhone-Versionen oder den ersten Android-Smartphones konnte man bei weitem nicht so viel machen, wie es heute der Fall ist. Im Laufe der Zeit kamen jedoch immer mehr Apps und Möglichkeiten dazu. Dasselbe lässt sich auch über die Apps selbst sagen. Am Anfang hatte z. B. WhatsApp nur die wichtige Hauptfunktion, Nachrichten kostenlos von einem Smartphone zum anderen zu senden. Heute gibt es eine Menge von weiteren Features wie Videotelefonie, Statusanzeige und Standortübermittlung. Vergleicht man diese Features mit denen der Messenger-App Telegram, wirkt WhatsApp von den Funktionen her sogar spartanisch. Hält man hier nicht Schritt, verliert man irgendwann den Anschluss und dann muss noch wesentlich mehr Energie investiert werden, um den Rückstand aufzuholen.